Ausbildungstermine 2018 stehen fest!

 
 

Ein Erlebnisbericht von Bernd Höflich

Teil 1, von Stuttgart nach Neckarsulm

2012 – ein historisches Jahr, in dem der Zusammenschluß des württembergischen mit dem badischen Kanuverband erfolgte. Wie jedes Jahr verschickte Iris Ammon vom Kanu NSU in Neckarsulm Einladungen zur Gepäcktour auf dem Neckar. Dieses Jahr sollte von Neckarsulm nach Mannheim Feudenheim gepaddelt werden. Mit dabei war die Mannheimer Kanu-Gesellschaft, außerdem freuten sich Mitglieder vom KC Rheinau und dem Kanuclub Eggenstein auf die Fahrt. Also nicht nur ein historisches Jahr, sondern auch eine historische Fahrt, nämlich die erste gemeinsame Verbandsfahrt des ehemals badischen und des württembergischen Kanu-Verbands.

Ehrgeizig wie die Mannheimer nun mal sind, wollten sie eins draufsetzen und ein Stück vorweg paddeln und in Stuttgart beginnen. Die Logistik war nicht einfach. Sollten wir nun beim Kanuclub Stuttgart starten oder beim Kanuclub am Max-Eyth-See? Schließlich fiel die Entscheidung für den KC Stuttgart, da am Max-Eyth-See ein großes Fest gefeiert wurde. Nun liegt dieser Verein innerhalb der Umweltzone und einige Mannheimer durften mit ihren "nur" gelben Plaketten auf ihren Diesel-Autos nicht hineinfahren. Die Lösung dieses Problems soll hier aber nicht geschildert werden. Die Mannheimer Teilnehmer installierten schließlich ihr Lager auf dem Rasenplatz des Vereins, der umgeben ist von der Mercedes Benz-Autoteststrecke. In der Zeit bis zum Start der Kanutour konnte man die verschiedensten Auto-typen eifrig im Oval herum fahren sehen. Einige der Mannheimer kamen einen Tag früher an und erlebten das nächtliche Stuttgart, geführt von einer redseligen Dame serbischer Herkunft. Vom „Schnitzel Otto“ ging es zum Wiener Apfelkuchen und die Führung wäre wohl zur nächtlichen Kneipentour ausgeartet, wenn wir sie nicht ausgebremst hätten. Ach ja, nicht zu vergessen das Frühlingfest auf dem Cannstadter Wasen, das direkt neben unserem Übernachtungsplatz beim Kanuclub stattfand und das wir uns nicht entgehen ließen. Einigermassen fassungslos standen wir vor den High-Tech-Maschinen, in denen sich Menschen auf die abartigste Weise in die Luft schleudern und durchschütteln ließen. Fassungslos studierten wir aber auch die Preise, die für dieses fragwürdige Vergnügen verlangt wurden. Interessanter und schöner anzuschauen war da schon die Jugend in krachledernen Hosen und kurzen Dirndln, aus denen käseweiße Beine herausschauten. Schließlich war die kalte Jahreszeit noch nicht zu Ende. Davon zeugten die ebenfalls schneeweiß herausquellenden Busen der Mädchen die vor Gänsehaut zitterten. Genug der profanen Betrachtungen, wir waren schließlich zum Paddeln hierher gekommen.

Erste Etappe von Stuttgart nach Marbach – 27 Kilometer

Fünf Kajaks und ein Canadier starten am Montagmorgen in einen herrlichen, von der Sonne verwöhnten Tag. Bald liegt der Großstadtlärm weit zurück und wir nehmen wunderschöne Weinberge wahr, die direkt vom Ufer aus steile Bergflanken hochklettern. Das noch spärliche Grün ist durchsetzt von kleinen Weinberghäuschen. Nur Bad Dürkheim in der Pfalz besitzt ein vergleichbar großes Weinanbaugebiet. Reben und feuchter Auwalddschungel bieten dem Auge stets neue Ausblicke. Zudem wurde hier der einst wilde Neckargeselle durch zahlreiche Wehre und der damit verbundenen Schleusen drastisch gezähmt! An dieser Stelle ein nachträgliches Danke-schön an die Schleusenwärter, die ihre Tore nach kurzem Telefonanruf bereitwillig für uns öffnen. Sie wollen unsere kleine Gruppe sogar weiter melden zu nächsten Schleuse und wir müssen bremsen: "Erst möchten wir eine Pause einlegen". Vor einer der Schleusen biegt ein kleiner Wasserlauf vom Neckar ab. Sollte das eine Umfahrung der Schleuse sein? Einige müssen das untersuchen und fahren hoffnungsfroh in dieses Rinnsal ein, das dann doch im Geröll endet. Mühsam tragen sie schließlich ihre schwer bepackten Boote über die Steine zum Neckar hinunter. Wir erreichen Marbach, dem Geburtsort des Dichterfürsten Friedrich Schillers. Beim Kanuclub ist Trainings-und Grillbetrieb und wir werden unglaublich gastfreundlich empfangen. Stolz führt man uns zur großen Wertungstafel, auf der häufig die Medaille des aktiven Clubs zu sehen ist. Nach einer kleinen Runde in der blitzenden Abendsonne durch malerische Winkel, enge Gässchen, vorbei an Treppen und Brunnen gibt es im Bootshaus interessante Gespräche bei köstlichem Württemberger Wein. Der Rotwein lässt uns die immer noch recht kalten Nächte gut überstehen.

Zweite Etappe von Marbach nach Lauffen - 31 Kilometer

Die Königsetappe liegt vor uns. Und das auf praktisch stehendem Wasser. Vorausgesagt ist zudem ein weiterer Kälteeinbruch. Pleidelsheim, Mundelsheim, Besigheim. Bekannte Ortschaften, an denen wir vorbeiziehen, doch wir sehen wenig davon, immer noch wechseln sich Weinberge ab mit dem dichten Grün des Uferbewuchses. Gegen Mittag kommt Wind auf. Brutal stemmt er sich gegen unsere Boote. Besonders der Canadier hat zu kämpfen und kommt recht langsam voran. Ein zu Tal fahrendes Frachtschiff schleicht sich an. Wind und Wellen verhindern, dass wir es hören und so muss es sich mit kräftigem Tuten Gehör verschaffen. Linker Hand lassen wir die Einfahrt in ein Naturschutzgebiet liegen. Wir dürfen nicht hinein, erahnen jedoch den Dschungel und können uns lebhaft Krokodile und Wasserschlangen darin vorstellen. Doch dann, jähe Unterbrechung des Naturparadieses, rechter Hand tauchen Betonwerke auf, Kuppeln, Röhren und eigentümliche, trichterähnliche Gebilde – das Kernkraftwerk Neckarwestheim. Dazu ein leises Summen, ein rythmischer Signalton. Eine beklemmende Stimmung, zumal kein menschliches Wesen der Anlage Leben verschafft. Schnell wollen wir weiter! Doch zäh strecken sich die Flusskilometer und jeder versucht sie auf seine Weise zu verkürzen. Einer zählt sie hundertmeterweise, ein anderer paddelt dicht am Ufer um das Gefühl für Vorwärtsbewegung zu haben und ein weiterer malt sich vielleicht schon das Abendessen aus. Die Arme sind lang geworden, als endlich die Silhouette von Lauffen in der Ferne erscheint. Das Ausbooten fordert noch mal alle Kräfte und jeder ist froh, sein Zelt auf der Festwiese von Lauffen stehen zu sehen. Abends fällt unsere Gruppe in eine Sportlergaststätte ein. Bei schwäbischer Küche können wir die heute verbrauchten Kalorien ersetzen. Nachts beginnt es zu regnen und der Morgen erwacht triste und grau.

Dritte Etappe von Lauffen nach Neckarsulm – 18 Kilometer

Das Wetter hat Erbarmen mit uns. Es ist wieder trocken als wir die Boote besteigen. Allerdings - die Lauffener Schleuse ist defekt. Wohl oder übel müssen wir die schwer bepackten Boote umkarren. Bald geht es auf Heilbronn zu, wir wählen den Kanal und werden geschleust. Allerdings ist dadurch von der Stadt wenig zu sehen, wir paddeln durch das Industriegebiet. Dann, vor Neckarsulm, packt der Wind noch mal frontal an. Endlich, die Autobahnbrücke, unter der das Bootshaus vom NSU liegt, kommt in Sicht. Geschafft! Die Zelte stehen, die Clubgaststätte lockt, allerdings wartet vorher noch ein Gang zum chaotischsten aller Supermärkte, der zwar alles hat, was wir brauchen, aber - man findet es nicht. Schließlich konnten doch alle Wünsche befriedigt werden, so dass nur noch eines bleibt, nämlich den höllischen Lärm des Autoverkehrs über uns, und die für heute Nacht angekündigte bittere Minusgradkälte zu überstehen.

Teil 2, von Neckarsulm nach Mannheim-Feudenheim

Erste Etappe: von Neckarsulm nach Neckarzimmern

Die Kennenlernetappe - 23 Kilometer: Wir hatten Glück, aufgrund des Feiertags gab es keine Lastwagen und auch der PKW-Verkehr hielt sich morgens in Grenzen. Diejenigen allerdings, die im rückwärtigen Teil des Clubgeländes an der Straße zelteten, hatten sich verrechnet. Sie wurden schon am frühen Morgen durch starken Verkehrslärm wach. Über dem Neckar lastet eine dicke Nebelschicht, die sich aber unter der aufgehenden Sonne schnell auflöst. Nach und nach treffen alle Teilnehmer, die am Vortag Autos und Anhänger nach Mannheim-Feudenheim gebracht hatten, ein. Es ist ein bunt zusammen gewürfeltes Grüppchen, das von Iris begrüßt wird. Würzburg ist vertreten, der Hohenlohekreis, Mannheim, Eggenstein und natürlich Neckarsulm. Heute herrscht Idealwetter und unsere Gruppe paddelt verhalten zur Kochendorfer Schleuse. Hin- und wieder gibt es Kennenlern-Gespräche und die Schleuse ist schnell passiert. Bald danach verströmen sich die Flusszwillinge Kocher und Jagst nach ihrem Lauf durchs Hohenloher Land in den Neckar. Eindrucksvoll nähert sich die Silhouette von Bad Wimpfen, über der sich gerade eine mächtige weiße Wolke bauscht. Zu Ende ist es nun mit den sanft geschwungenen Bergrücken, zu Ende auch mit den Weinbergen. Der Neckar nimmt nun seinen Lauf durch die hohen Berge des klimatisch kühleren Odenwaldes. Tiefe Wälder, Burgen, Schlösser und alte Ortschaften werden ab jetzt das Bild bestimmen. Schon präsentiert das Städtchen Gundelsheim seine prächtige Fassade. Nach Passieren der alten Schifferstadt Haßmersheim kommt das majestätische Bild der Burg Hornberg in Sicht, die 1517 vom Ritter mit der eisernen Hand, nämlich Götz von Berlichingen erworben wurde. In Neckarzimmern, hinter der Schleuse, werden wir vom Campingplatz „Cimbria“ erwartet, auf dessen großer Wiese ein Platz für uns reserviert ist. Neckaraufwärts können wir noch einen Blick auf die Hornberg werden. Leider kann man Camping Cimbria nur bedingt empfehlen. Unfreundliches Personal, bürokratisiert, teuer und geldgierig, so hört man von allen Seiten. Studiert man die Preisliste, drängt sich der Verdacht auf, dass die Besitzer über Winter grübeln, wo man vielleicht noch 50 Cent pro Person herauspressen könnte. Vielleicht sollte man am Toiletteneingang ein Drehkreuz…..? Lassen wir das, sonst wird´s wirklich wahr.

Zweite Etappe von Neckarzimmern nach Eberbach

Die Schwanenetappe – 28 Kilometer: Unsere Gruppe hat sich kennen gelernt und ausgetauscht. Da gibt es den Oliver vom Hohenlohekreis, der morgens Brausestäbchen verteilt, wohl um morgendliche Griesgrämig-keit zu vertreiben? Dann Birgit, das Erdbeermädchen mit ihrem „Bikiboat“, das eine Schüssel voll reifer Erdbeeren mitbrachte und nun an alle verteilt. Zwei Canadierfahrer über deren Disharmonie man sich oft amüsieren kann und die bewunderungswerte Heide aus Würzburg, die nur komplett mit lichtundurchlässiger Kleidung paddelt, um die drohende Sonnenallergie zu minimieren, schließlich den Autor dieser Zeilen, der wohl den Höhepunkt dieser Paddelsaison schon im Februar bei nachts Minus 10 Grad auf der Loire erlebte. Alle ein bisschen verrückt, aber interessant. Hinter Obrigheim und dessen Kernkraftwerk dringen unsere bunten Boote weiter ein in das romantische Mittelgebirge des Odenwalds. Über dem Dorf Zwingenberg thront das gleichnamige Schloss, auf dem sich im Herbst, zur Jagdzeit, der europäische Hochadel ein Stelldichein gibt. Gegenüber lädt ein Naturfreundehaus zur Rast. Leider ist das Anlanden am Neckar stets mit einer gewissen Mühsal verbunden und da – was passiert da? ein voll beladener Canadier schwimmt mitten im Bach. Beim Festmachen hat sich ein Knotenfehler eingeschlichen und den Canadier ohne Besatzung auf Reisen geschickt. Doch schnell wird er von einem Kajak eingefangen und an Land gezogen. Vorher aber müssen wir einen verantwortungsbewussten Schwan, der vier Junge zu beschützen hatte, von unserem Recht hier auswassern zu dürfen, überzeugen. Nachdem all diese Schwierigkeiten gemeistert waren, können wir endlich im Biergarten des gastfreundlichen Naturfreundehauses Platz nehmen. Später, beim Ablegen, wer will wieder mithelfen? Natürlich der Schwan, kampfbereit umkreist er unsere Boote, beißt schon mal probeweise in das Faltboot des Autors und nimmt dann den Canadier aufs Korn, der aufgeregt mit den Paddeln fuchtelt. Sehenswert ist seine Siegerpose, als wir sein Revier verlassen. Triumphierend erhebt er sich flügelschlagend fast zur doppelten Größe aus dem Wasser. Noch viele Schleifen macht der Neckar, bevor wir unsere kleinen Plastikwohnungen auf dem hoffnungslos überfüllten Campingplatz in Eberbach installieren können. In der Stadt gegenüber ist Frühlingsfest und abends schallen lange die Klänge der Open Air Musik zu uns herüber. Zu müde um davon gestört zu werden, schlafen wir trotzdem gut ein. Allerdings, frühmorgens, gegen fünf Uhr, gellt ein Schrei über den Platz: "AUFSTEHEN!" Ob wohl die giftige Wohnmobilistin, die sich schon bei unserer Ankunft gestört fühlte, auf diese Weise ihrem Ärger Luft machte, oder etwa verspätete Frühlingsfestbesucher sich einen Spaß erlaubten? Wir werden es nicht mehr ergründen.

Dritte Etappe: von Eberbach nach Schlierbach

Die Bundesstraßenetappe - 27 Kilometer: Es ist recht schwül als wir die Boote einsetzen aber noch weht auf dem Wasser ein angenehm kühles Lüftchen. Der Neckar zieht weiter seine Schleifen. Vor Hirschhorn durchbricht die lärmende Bundesstraße den Bergrücken und wir passieren die „Perle des Neckars“ in wohltuender Ruhe. Wie immer bedanken wir uns bei der Schleuse mit einem dreifach kräftigem Ahoi, das in der Schleusenkammer so schön schallt. Eine erste Pause gibt es am Neckarhäuserhof. Dann präsentiert sich Neckarsteinach am rechten Ufer und von oben grüßt das alte Dilsberg. In Neckargemünd, an der Mündung der Elsenz heben wir einmal mehr die Boote aus dem Wasser für eine längere Pause in der Altstadt. Besonders der Spargel in Pfannkuchen eingewickelt, dazu Sauce Hollandaise ist verlockend. Die Stärkung war auch nötig, da die Schleuse Schlierbach, unmittelbar vor dem heutigen Ziel, dem Campingplatz der Stadt Heidelberg, ihren Dienst verweigert. Wir müssen die Schleuse auf den eigenen Wagen umkarren. Zu allem Überfluss erwartet uns im Unterwasser keine Rampe, sondern eine Treppe. Was tun? Gepäck ausräumen und hinunter tragen? Nein es gibt eine elegantere Lösung. Wir fahren die Bootswagen hoch zur Bundesstraße und schieben sie bis zum Eingang des Campings. Dieser ist ein Zeltplatz wie er sein soll, mit einfachen aber wirksamen Duschen, die ohne elektronischen Schnick Schnack nur durch einfaches Aufdrehen des Hahns funktionieren. Im kleinen Kiosk läuft die Küche am späten Abend noch mal auf Hochtouren, während draußen ein Gewitter mit Platzregen niedergeht.

Vierte Etappe: von Schlierbach nach Mannheim-Feudenheim

Die Polizeietappe – 22 Kilometer: Leider muss sich Iris aus privaten Gründen verabschieden und wir bedanken uns alle bei ihr für die tolle Fahrt. Die weitere Führung übernimmt Gerhard Maier von der Mannheimer Kanu-Gesellschaft. Heidelberg ist nun nicht mehr weit und bald präsentiert sich die Stadtansicht in einer vom gestrigen Gewitterregen sauber gewaschenen Luft und dadurch in einem wunderbar klaren Licht. Vom Schleusenwärter erfahren wir von der Ruderregatta, die gerade im Unterwasser stattfindet. Man gestattet uns am linken Ufer entlang zu paddeln, aber unter Führung eines Bootes der Wasserschutzpolizei. Sehr zur Beruhigung der Boots-besatzung folgen wir diszipliniert in einer Zweierreihe bis zum Ende der Regattastrecke, wo man uns in den bald abzweigenden Kanal entlässt. Hier gibt es keinen Verkehrslärm mehr und die Ruhe ist wohltuend. Gut, dass es mit der Schwabenheimer Schleuse keine Probleme gibt, sonst hätten wir mühsam in den alten Neckar umsetzen müssen. Eine letzte Pause genehmigen wir uns an der Ladenburger Fähre, an der sich ersten schon mal verabschieden. Danach gibt es noch mal eine Kanalstrecke und hier verabschiedet sich dann auch der Autor, der seine „private“ Aussatzstelle bei Ilvesheim nutzt, um sein Faltboot bis zur Haustür zu schieben.

Hinter ihm liegen sieben Tage voller Kameradschaft, interessanter Gespräche und eine ruhige harmonische Paddeltour durch das zauberhafte Neckartal. Vielen Dank dafür.